13.06.2009

Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören - das war wohl die Botschaft, die uns dieser Drehtag sagen wollte.
Es war auch schön und es wurde von Einstellung zu Einstellung und von Szene zu Szene auch immer besser. Insgesamt waren 3 große Flurszenen in der AIH geplant, danach sollten noch kleinere Szenen im Gang folgen. Damit, dass Marka(Anne Jekien) über ihren Mann verärgert ihre Zelle verlässt, starteten wir. 20 Takes in 2 Einstellungen und schon war es im Kasten. Sogar die Zeitbegrenzung, die Anne durch ihr Mitwirken beim Wittenberger Stadtfestumzug hatte, konnten wir leicht einhalten, da wir früh um 9 Uhr im Studio mit allen benötigten Darstellern ankamen und unsere Marka-Schauspielerin auch schon um 11 Uhr wieder Zuhause eintraf. Im Anschluss holten wir gleich die nächsten Leute ab, die dann bei der Austeilung der Essenspakete in der AIH ihr Bestes geben sollten. Wir waren erstaunt wie gut der Dialog zwischen Merlin(Florian Göbel) und Markus Mager(Jonathan Kühn) gespielt wurde. Auch die Einstellungen, in denen der Flur mit anderen, benachbarten Insassen(Alexandra Haberland, Frances Protzmann und Stefan Jahns) und den zwei Wächtern(Robin Marx und Felix Kuhnert) zu sehen war, erfreuten das Regisseurenherz.
Für die letzte große Szene holte ich dann noch unseren jungen Darsteller Thomas Wambolt. Ihm und Jonathan Kühn stand nun schauspielerisch die Flucht aus der AIH bevor, während im Hintergrund Merlin(Florian Göbel), von den Wächtern auf den Flurboden gedrückt, schreit, nachdem er psychisch angeschlagen aus seiner Zelle herausbrach. Auch die anfangs organisatorisch sehr kompliziert zu sein scheinende Einstellung, in der der verzweifelte Vater mit seinem Sohn durch die automatisch schließende Tür, bewegt durch Betti Wartke, flüchten sollte und ich als Kameramann während des Schwenks die rote Signallampe der schließenden Stahltür mit dem Fuß einschalten musste, konnten wir plötzlich sehr gut umsetzen.
Nach getaner Szene brachte ich unsere zwei Geflüchtenden wieder nach Hause. Wir hatten diesen Dreh lang im Voraus komplett durchorganisiert, was uns auch verleihtete anzunehmen, dass er wohl aus diesem Grunde so perfekt lief. Zurück im Studio sollte es nach kurzer Motivierung auch gleich weiter gehen, mit einer etwas kleineren Szene. Die Kamera war bereit zur Aufnahme, nur das Tonaufnahmegerät musste noch starten. Es schien für uns, als würde es sich dabei auch genüsslich Zeit lassen. Wir warteten mindestens eine Minute, was ungewöhnlich war, da es normalerweise nach 30 Sekunden bereit war unsere Befehle entgegenzunehmen. "HDD Mount Fail" tauchte plötzlich auf dem Display auf. Was wir als erstes begriffen war, dass es wohl jetzt nicht mehr angehen würde, danach verstanden wir, dass der Drehtag für heute wohl auch nicht mehr fortzuführen ginge und der morgige ausfallen sollte. Dann kam die Einsicht, dass es wahrscheinlich ein Headcrash der eingebauten 40GB Festplatte sei und somit nicht nur der Drehtag des nächsten Tages nicht stattfinden würde, sondern auch der bereits gedrehte rein vom Ton her nie stattgefunden hatte. Als wir begriffen, dass alle Arbeit des Tages, alle schönen Bilder und alle perfekten Takes somit verloren waren, waren Sätze wie "Es lief zu gut, da musste irgendwo ein Haken sein. Wir hätten nicht zu viel wollen dürfen." oder "Wir hätten nicht weiter machen sollen, als wir merkten, dass es so gut lief." keine Seltenheit.
Ein neues Tonaufnahmegerät, der Field Recorder Fostex FR-2LE, soll uns nun in Zukunft von den Problemen der Tonaufnahme und des dazu benötigten Geräts frei halten. Hoffen wir, dass es dazu auch im Stande ist.

Gregor Tallig in der Drehpause















 

 Unsere AIH-Flurwächter - (v.l) Robin Marx und Felix Kuhnert















 

(v.l.) Stefan Jahns und Fabian Kirsch im Gespräch über Monokultur