29.06.2009

Schon zwei Stunden vor Drehbeginn traf das Team, das gewöhnlich hinter der Kamera steht, im Studio ein. Bis zum eigentlichen Beginn bauten wir schon einmal die Technik drehbereit auf und überarbeiteten in der übrigen Zeit gleich noch den Drehplan, so dass alle Szenen des Films bis Ende August auch unter Dach und Fach wären. Bei dieser Planung ist sogar noch ein Monat Puffer drin, der September, denn erst ab Oktober geht es für das Regisseurteam nach Potsdam. Niemand hätte damit gerechnet, dass der Film überhaupt noch vor Oktober fertig werden sollte. Jetzt scheint dieses Ziel doch recht greifbar.
Eine Szene hatten wir an diesem Montag Nachmittag nachzuholen, die Suizidszene Merlins, die wir am 23.06.09 leider nicht mehr drehen konnten, da das Bett, das wir für diese Szene brauchten, durch schnelles Aufstehen in der Szene davor am Fußende einen Riss bekam.

v.l. Fabian Kirsch und Gregor Tallig bei der Drehplanung















In den ersten zwei Stunden schafften wir ganze elf Takes, von denen fünf abgebrochen werden mussten. Schuld daran war die Tischtennisplatte des über uns gelegenen Jugendclubs. Diese befindet sich direkt über unserem Studio. Klar, dass dort gern und viel gespielt wird, nur leider auf unsere Kosten, vor allem wenn es dann nicht mehr normales Tischtennis sondern chinesisches ist. Wenn es sich dann so anhört, als würde eine Herde Kühe über uns hinweg rennen, kann man das auch nicht mehr als Ambientegeräusche der AIH entschuldigen. So blieben uns dann nur zwei Möglichkeiten: Abbrechen oder Warten bis die Öffnungszeit des Jugendclubs unser Problem begrenzt. Wir entschieden uns letztendlich für letzteres. Aber nicht nur Laufgeräusche und die bei Werktagdrehs gewohnten lautstarken Bemerkungen der Besucher des Jugendclubs machten Tonaufnahmen unmöglich, sondern auch der Schrank der AIH-Zelle, der, wenn Merlin kraftlos an ihm herunterrutsche, sich den Spaß nicht verkneifen konnte, seine Türen zu öffnen. Mit Klebestreifen an der Innenseite der Türen probierten wir dem Problem Herr zu werden, aber diese Lösung ließ neue Geräusche entstehen, die die Klebestreifen bei Bewegung von sich gaben. Die erfolgversprechende Lösung war dann, dass jemand an der anderen Seite des Schranks für Gegendruck sorgte und die Türen hielt, so dass der Schrank sich nicht mehr wie ein Parallelogramm verschieben konnte und die Türen nicht mehr aufgehen konnten.

 Die Klebestreifenaktion
















Als wir dann unsere Ruhe hatten, war der Dreh nur noch eine Frage von ein bis zwei Stunden. Die Einstellungen gingen plötzlich alle schnell, bis auf die letzte. Hier hatten wir es mit der vorletzten Kamerafahrt im Film zu tun, die dadurch auch entsprechend kompliziert umzusetzen war, da die Kamera langsam von Merlin Weerstand (Florian Göbel) mit Zoom durch den Raum und wieder zurück schwenken sollte und das in einem Schwenkbereich von fast 180° mit zusätzlicher Neigung. Dafür war unser Stativ nunmal nicht ausgelegt, kein Take war für den Kameramann wirklich zufriedenstellend. Zum Glück klappte die Einstellung trotzdem, wie wir später am heimischen Laptop sahen.

Merlin Weerstand (Florian Göbel) beim Entlangrutschen am Schrank