02.08.2009

Der wohl anstrengendste Drehtag des gesamten Films ging am Sonntagabend ca. 19 Uhr pünktlich zum Eintreffen der ersten gewitterankündigenden Regentropfen zu Ende. Angefangen hat das ganze Spektakel morgens um 7 Uhr. Da war die erste Einstellung aber schon gedreht, auch wenn die Darsteller noch im Auto auf dem Weg zum Drehort saßen. Im Bild sollte niemand zu sehen sein, einfach nur eine Totale des Familienhauses von Magers. Nebenbei gesagt, diese Einstellung musste am Ende des Drehtages nocheinmal nachgedreht werden, da halb 7 am Morgen die Lichtverhältnisse zu stark auf Sonnenaufgang deuteten, die Sonne viel zu tief noch stand, wodurch große Schatten auf das Haus fielen und eine Seite sogar völlig im Dunkeln für die Kamera lag.
Mit zehn Minuten Verspätung trafen unsere heißbegehrten Darsteller dann am Set im ländlichen Globig ein. Gleich die erste Einstellung machte uns dann aber arg zu schaffen. Niemand hätte damit gerechnet wie laut es an einem Sonntagmorgen in einem kleinen Dorf sein kann. Erst muss darauf gewartet werden, dass der Traktor, der im 5-Minuten-Takt die Straße hoch und runter fuhr, aus unseren Kopfhörern verschwindet, dann krähnt der Hahn, die Kuh muht und der Hund bellt. Als der Darsteller losrannte, hörte es sich dann an, als würde er mitten in Deutschland durch den tiefsten Regenwald laufen, da auf dem Nachbargrundstück ein Papagei und einige Sittiche die Aufnahmen kommentieren wollten. Auf "Bitte" pfiff uns der Papagei beispielsweise regelrecht hinterher.

Unsere fleißige Helferin Alexandra Haberland und unser fleißiger Tonmann und Regie-Assistent Fabian Kirsch














Von 7 bis 12 wollten wir die erste Szene abgedreht haben, die Szene, in der Mark Mager, der Vertreter und Lea Marchionini aufeinandertreffen. Bei der Geräuschkulisse dachten wir, würden wir das nie schaffen. Als sich die Uhrzeiger dann aber so langsam 11 Uhr näherten, war von dem Motorenlärm der Landwirtschaftsfahrzeuge nicht mehr viel wahrzunehmen. Diese Mittagspause, wie wir es uns erklärten, nutzten wir natürlich schamlos aus, um den Dialog dieser Szene abzudrehen, was bei leisem Ambiente in einer Stunde auch überhaupt kein Problem mehr darstellte. Somit konnten wir unseren Zeitplan dann auch wirklich einhalten, was nicht abzusehen war am Anfang des Drehs.
Dass bei einem solchen Aufeinandertreffen auch durchaus mal die Fetzen fliegen, kann man sich vorstellen, immerhin ist der Vertreter für Lea der Inbegriff von Unmenschlichkeit und Gier. Wenn er dann auch noch versucht den kleinen, geflüchteten Mark gewaltsam wieder in die AIH zu stopfen, dann ist schon klar, dass Leas bestes Stück zum Einsatz kommen musste. Und so kam dann auch die Schreibmaschine von hinten auf den Kopf des Vertreters geflogen.
Für die Kamera musste das natürlich echt aussehen, trotzdem durfte es natürlich niemanden berühren. Wir hatten die Befürchtung, dass es doch irgendwann mal den Kopf unseres Darstellers Marvin Brabender treffen würde. Das klappte aber ohne Zwischenfälle. Bis auf eine Aufnahme, bei der wir zuerst ein Geräusch hörten, dass sich verdächtig danach anhörte als hätte die Schreibmaschine den Kopf des Vertreters mit voller Wucht getroffen, danach hörten wir ein leises "Entschuldiung" von unserer Darstellerin Lea Marchionini. Marvin fasste sich aber nicht an den Kopf, sondern der, den er die ganze Zeit herumschüttelte - Thomas Wambolt. Er hatte sich unglücklicherweise in die falsche Richtung weggedreht. In diese Richtung ging nämlich auch die Schreibmaschine, sie traf ihn dann also direkt auf den Kopf. Eine kleine Pause für unseren jungen Darsteller zur Erholung und zum Wiedererinnern an den Text war dann unerlässlich.

 Professionelles Rumliegen - Darsteller Marvin Brabender hält still für mehrere Einstellungen vom bewusstlosen Vertreter













 

Drehpause - da kann Juliane Filter schon mal ein halbes Buch schaffen















13 Uhr begann der Dreh an der nächsten Szene dann, diesmal mit Darsteller Gottfried. Gottfried war eingangs noch sehr nervös, wahrscheinlich wegen der vielen Leute am Set und der großen Kamera. Als er dann aber an der Kutsche angespannt war, konnte er auch entspannen. Später zwinkerte unser Poni Gottfried sogar mal freundlich in die Kamera. Die Zusammenarbeit funktionierte reibungslos, sogar unser Darsteller Jonathan Kühn durfte das Poni leiten. Vielen Dank gilt auch dem Halter und Führer des Ponis Ronny Böhmert.
Auf der Kutsche saß in dieser Szene Herr Mager (Jonathan Kühn), der geschafft von der Übernahme seines Bio-Hofes in eine sehr gleichgültige und melancholische Stimmung verfallen war. Die Szene hatte nur drei Einstellungen, trotzdem planten wir hierfür - durch die Arbeit mit dem Pferd - 4 Stunden ein. Dabei sollte auch der Drehort an ein Getreidefeld gewechselt werden. Leider stellten wir aber einen Tag zuvor fest, dass das ausgewählte Feld bereits den Mähdreschern zum Opfer fiel. Noch recht gefasst suchten wir uns eben ein anderes Feld am anderen Ende von Globig aus. Während des Drehs kam dann die ernüchternde SMS, dass dieses Feld in diesem Moment gerade auch von Mähdreschern besucht wurde. Kurzerhand setzten wir uns ins Auto, um schnell eine Alternative zu finden. 1,4 km entfernt fanden wir diese auch, ein abgelegener Feldweg zwischen zwei Maisfeldern. Etwas Besseres hätten wir nicht finden können.
Nach der Poni-Szene musste unsere Darstellerin Juliane Filter noch einmal ran. In acht Einstellungen filmten wir wie sie auf dem Bio-Hof der Familie Mager ihre neue Zuflucht findet. Als wir damit und mit allem, was wir noch schnell nachdrehen wollten, fertig waren, setzte der Regen pünktlich nach Wettervorhersage aus dem Internet ein. Diese Zusammenarbeit waren wir bis dato noch nicht gewohnt.

 Pferdchen Gottfried mit seinem Führer Ronny Böhmert und Darsteller Jonathan Kühn










 





Und wer hätte es gedacht? Da waren sie wieder. Die Helligkeitsstreifen tauchten wieder auf. Diesmal zwar nicht mehr so oft wie noch am 29.07.09, doch jeder Streifen ist ein Streifen zu viel. Ein Tag zuvor testeten wir alles Mögliche durch, um den Fehler, durch den die Streifen entstehen, ausfindig zu machen und zu bekämpfen. Wir fanden, dachten wir jedenfalls, auch den Übeltäter. Es war ein Adapter, der den BNC-Ausgang unserer Kamera auf Cinch adaptierte. Diesen wechselten wir dann auch sogleich aus, wodurch die Streifen tatsächlich nicht mehr durch Bewegung der Kamera ausgelöst wurden. Jetzt scheinen sie sporadisch aufzutreten, ganz gleich ob die Kamera auf dem Stativ ruht oder mit der Steadicam bewegt wird. Die nächsten Tage werden zeigen, ob wir den Fehler beheben können.
Beim Sichten der Dateien auf dem Laptop zeigten sich aber nicht nur die Helligkeitsstreifen. Während des Drehs füllte sich zum ersten Mal unsere 4 GB CF-Karte randvoll mit Dateien. Wir nahmen daraufhin einfach eine 1 GB Karte, um weiter zu filmen. Leider verriet uns das Videoaufnahmegerät dabei nicht, dass es durch die neue Karte gleich das Aufnahmeformat samt Kompression veränderte. Beim Sichten zeigte sich die Übeltat dann. Die Bilder wabberten nur so vor sich hin, ein riesiger Pixel gesellte sich an den nächsten. Die komplette Szene, in der die neue Zuflucht gefunden werden sollte, war betroffen. Somit blieb uns nur die Möglichkeit unsere Darstellerin Julian Filter nochmals für ihre letzte Szene einzuladen. Nachgedreht werden soll am Montag, den 10.08.09. Diesmal hoffentlich auch ohne Helligkeitsstreifen.

Juliane Filter und Regisseur/Kameramann Gregor Tallig