23.08.2009

Es ist nicht einfach einen Dreh zu organisieren, wenn Darsteller im Kampf gegen eine Flut von Hausaufgaben und Anforderungen der zwölften Klasse fast untergehen. Sonntag war kein idealer Tag, schließlich sollte Jonathan Kühn am Tag danach einen Geschichtsvortrag halten. Freitag und Samstag war auch keine Zeit zum Drehen. Die Lösung des Problems lag in den frühen Morgenstunden. Bis 15 Uhr hatten wir Zeit die Szene über die Bühne zu bringen, das war Jonathans Zugeständnis an uns. Morgenstund hat Gold im Mund, dachten wir uns und legten den Drehbeginn auf 6 Uhr morgens. Somit hatten wir neun Stunden zur Verfügung das abgemachte Abendessen von Familie Mager mit Merlin (Florian Göbel) in der AIH-Zelle digital auf unsere Speicherkarte zu bekommen.

(v.l.) Jonathan Kühn beim Textlernen und Florian Göbel, der sich den Text noch einmal vor seinem Inneren Auge vergegenwärtigt, hoffentlich







 







In drei Teile teilten wir dieses Aufeinandertreffen. Den ersten Part setzten wir komplett mit Steadicam um, das sah gut aus und ging auch schön schnell, auch wenn wir die Einstellungen am Laptop immer akribisch auf die viel geliebten Helligkeitsstreifen prüften. Zwar waren wir uns nach dem letzten Drehtag und dem darauffolgenden wiederholten Test des Rekorders sicher, die Quelle des Fehlers gefunden zu haben, aber trotzdem war höchste Sicherheit angesagt, denn so einen großen Drehtag kurz vor dem Umzug nach Potsdam noch einmal zu wiederholen, wäre sehr umständlich und schwierig geworden.
Teil 2 der Szene konnten wir schon um 8 Uhr beginnen. Wir lagen gut in der Zeit, alle Aufnahmegeräte funktionierten, die Band und der Jugendclub gaben keinen Mucks von sich, allen Darstellern ging es blendend - wir hatten Angst. Das konnte nicht gut gehen. Wo lag das Problem, fragten wir uns? Wir überprüften sogar die Tonaufnahmen gleich am Set, es war alles in bester Ordnung, die Videoaufnahmen wiesen am Laptop nicht einen Streifen auf. Wir waren ratlos und drehten einfach weiter. Vielleicht waren wir diesmal ja wirklich auch mal unschlagbar.

 So glücklich sieht man Familie Mager nie - (v.l.) Anne Jekien, Jonathan Kühn und davor Thomas Wambolt




















Aufgrund der immer wiederkehrenden, kleinvoluminösen Flüssignahrung verdrehte sich regelmäßig der Magen bei Frau Mager (Anne Jekien). Dies sollte der Zuschauer in dieser Szene erst richtig zu spüren bekommen. Zweimal inszenierten wir in dieser Szene das Erbrechen von Marka in der berüchtigten und viel notierten "Kotzecke". Im dritten Teil, mit dem wir zwischen 10 und 11 Uhr begannen, wuchs Markas nach jeder Mahlzeit gewohntes Magenentleeren Markus (Jonathan Kühn) deutlich über den Kopf. Das war zu viel, ungeachtet dessen, was der Gast wohl davon halten sollte. Zurück blieb nur das knallende Türgeräusch und ein leises trauriges "Mama?".
Wir hatten diesmal wirklich Glück, es lief alles einwandfrei, so wie es sein sollte, sogar Jonathans Zeitbegrenzung unterschritten wir noch mit einer Stunde. So bleibt uns nun auch die Miete im September für den Raum der AIH-Zelle erspart. Der Raum ist ausgeräumt und die Schlüssel werden wieder der Stadt übergeben. So endet eine ganze Epoche voller Drehs im stickigen, schlecht belüfteten AIH-Trakt.

Marka Mager (Anne Jekien) in ihrer "Kotzecke"















 

 Das Gruppenfoto - (v.l.) Gregor Tallig, Jonathan Kühn, Florian Göbel, Betti Wartke (extra aus Berlin angereist), Fabian Kirsch, Alexandra Haberland, Anne Jekien und der schiefhängende Thomas Wambolt