Monokultur hat nach 5 Jahren Arbeit - von der ersten Idee bis zum letzten Feinschliff am Schnitt - am 01. Mai 2011 endlich seinen Premierentag erreicht.

Tilo und Reinhard Tallig haben die Premiere für die Nachwelt glücklicherweise visuell festgehalten. Wer also gern mal in das Filmgespräch zu Monokultur reinschauen würde oder einfach das Premierenfeeling (noch) einmal aufkommen lassen möchte, darf sich hier willkommen fühlen, dies zu tun:




Die Vorbereitungen zur Premiere begannen bereits im Januar 2011, mit einem einfachen Anruf beim Jugendamt Wittenberg, mit dem ich bereits 2006 meine Premiere für "Fiktion Deutschland 2004" organisiert hatte und damit auch sehr gute Erfahrungen sammelte.

Es standen einige Veranstaltungsorte zur Wahl, aber keiner wollte so richtig zu unseren Bedingungen passen. Einer wäre kostenlos gewesen, dafür aber zu klein und mit sichtblockierenden Pfeilern etwas suboptimal, und ein anderer war für die Finanzierung schlicht ungeeignet. Wir hatten aber noch ein Ass im Ärmel, und das war Herr Pester vom Jugendamt, dem die Idee kam, doch die für eine Premiere eigentlich richtige Location auszuwählen - das Kino. Gedacht, getan, rief er auch gleich beim Betreiber des Wittenberger Kinos an, der sich eine Premiere von Wittenberger Filmemachern in seinem Haus auch gleich gut vorstellen konnte. Was dann folgte, war dann die mühselige Suche nach dem besten Termin, an dem dann alle Beteiligten zeitlich unter einen Hut kommen sollten. Die Entscheidung fiel dann auf den 01. Mai, was ein Zufall sein mag, dass es gerade der Tag der Arbeit sein sollte, an dem wir unseren Film vorstellten, wie es unsere Moderatorin Traudl Alberg später in ihrer Einleitung formulierte.

Über einen Monat vor der Premiere gingen die finalen Vorbereitungen dann richtig los. Das Plakat wurde von unserer Set-Helferin Alexandra Haberland designt und in ganz Wittenberg verteilt. Das Bonusmaterial musste geschnitten und das Making of zusätzlich noch mit einem Sprechertext versehen werden. Flyer mussten entworfen, gedruckt und verteilt werden. Und natürlich musste schlussendlich noch die DVD her. Die Aufregung stieg.

Am Tag der Premiere waren wir schon um 11 Uhr vor Ort und bereiteten unsere AfterShowParty-Räumlichkeiten auf die Stunden nach dem Filmgespräch vor. Schließlich sollte der Tag mit unserem Bonusmaterial und lockeren Gesprächen, wie wir sie seit dem letzten Drehtag als Team nicht mehr hatten, zu Erinnerungsfotos im Hintergrund langsam ausklingen.

Die Kameras für die Aufnahme im Kino standen bereits aufgebaut bereit und warteten darauf ab 11.30 Uhr vorbei am Verbotsschild für Kameras in den Kinosaal getragen zu werden. Pünktlich zu 11.30 Uhr kam dann auch unser Tontechniker Karl-Heinz Böhmert, der uns seine Funkmikrofone in dem großen Saal zur Verfügung stellte und diese noch installieren musste. Für mich war diese Stunde von 11.30-12.30 eigentlich nur ein wildes Umher-Gerenne. Wenn ich jetzt so richtig überlege, weiß ich gar nicht mehr, was ich alles noch ins Kino getragen habe und warum eigentlich die Zeit so schnell an mir vorbei zog. Das einzige, was ich dabei noch wahrnahm, war wie das Foyer, durch das ich dauernd lief, immer voller wurde und ich schon dachte, dass es schon fast kein Durchkommen mehr gab, und dass ich desto mehr Menschen da waren, ich umso weniger Erinnerungen an Umher-Irren dort habe.

Kurz vor Einlass begrüßte ich Traudl. Mit ihr sprach ich dann auch gleich noch die letzten Feinheiten für die Moderation ab. Als ich dabei zur Treppe hinunter ins Foyer schaute, merkte ich, dass es dort noch einmal voller geworden war. Die Anspannung stieg so kurz vor dem Moment, auf den man 5 Jahre hingearbeitet hatte und auf den jetzt so viele Menschen warteten, ins Unermessliche.


Es war schon kurz nach halb eins, als wir den Saal freigaben und das Publikum ihn flutete. Da 184 Sitzplätze zur Verfügung standen und nur Vereinzelte freigelassen wurden, schätzen wir einfach 120 Zuschauer für unsere Filmpremiere.








Zum Glück übernahm also Traudl die Einleitung. Aber gut, wenn 120 Menschen anfangen den selbstgedrehten Film zu schauen, ist die Anspannung wahrscheinlich auch nicht geringer, als direkt vor ihnen zu sprechen.







Der Film flog an mir dann im Prinzip auch nur vorbei, kaum hatte ich mich zu Beginn ins Publikum gesetzt, stand ich auch schon auf der Bühne, um allen Beteiligten nach der Aufführung ersteinmal gebührend für ihre Mithilfe am Projekt zu danken. Im Anschluss daran ging es auch gleich mit dem Gespräch über Monokultur weiter, worüber ich heute noch froh bin, dieses gemacht zu haben, da es einfach eines der Dinge ist, die man als Filmschaffender wahrscheinlich mit am liebsten tut. Wenn nach 5 Jahren Arbeit so viele Menschen den eigenen Film gesehen haben und sich dann danach in einer lockeren Unterhaltung zusammenfinden, um mit dem Macher darüber zu reden und Fragen zu stellen, ist das einfach die Belohnung für alle Mühen und das gute Gefühl, dass der Film sein Ziel erreicht hat. Natürlich ist es auch unvergleichlich seinen Film zum ersten Mal auf einer so großen Leinwand zu sehen und zu begreifen, welch mächtige Fläche man eigentlich beim Führen der Steadicam bei jeder Kamerafahrt bewegt hat. Es gab so viele höchst beglückende Momente während dieser Premiere und ihrem Filmgespräch, dass ich sie am liebsten noch um Stunden verlängert hätte. Eigentlich halte ich in Gedanken immer noch ein Mikrofon in der Hand und beantworte Fragen zu Monokultur.








Aber irgendwann hat natürlich alles einmal ein Ende. Die Frage ist nur, wie lange dieses Ende ist. Und da kurze Enden weniger schön sind als lange, haben wir die Premiere noch zum Making of, zu den verpatzten Szenen, zu unseren Interviews und zu Schnittchen ausklingen lassen. Als dann Musik zu einer Diashow unserer Setfotos im Hintergrund spielte, realisierte ich nach fast einem halben Jahr stressiger Premierenvorbereitung, dass dieses riesige Projekt wohl vorbei sei und das dann doch eigentlich eher als mir lieb war. Es waren die vielen Erinnerungen, die durch die Fotos wach wurden, und das Begreifen, was man dort eigentlich gemacht hatte. Das ist nicht gerade alltäglich und das kann einem keiner mehr nehmen.